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Ausführungen von Herrn Dipl.-Ing. Rolf Haselhorst,

Vorsitzender des Arbeitskreises TUIS im VCI,

vor der Presse in Leipzig am 8. Juni 2010

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

an der aktuellen Interschutz ist deutlich abzulesen, wie sich die Dinge in unserem Sektor verändern, das gilt auch für die Gefahrenabwehr, die Ausbildung der Fachleute und Feuerwehrleute sowie für die Kommunikationswege. Mit unserer Pressekonferenz wollen wir Ihnen zeigen, wie sich das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) der chemischen Industrie weiterentwickeln wird. Zunächst aber zu den Einsatzzahlen für das zurückliegende Jahr.

Die aktuelle TUIS-Einsatzstatistik zeigt für 2009, dass die öffentlichen Gefahrenabwehrkräfte sich in rund 1.000 Fällen auf TUIS verlassen haben. Im Einzelnen gab es 2009 insgesamt 766 telefonische Beratungen (Stufe 1), 46 Beratungen durch Fachleute am Unfallort (Stufe 2) und 186 technische Hilfeleistungen am Unfallort (Stufe 3).

Bei den Hilfeleistungen am Unfallort mussten wir etwa bei jedem dritten Einsatz eine Flüssigkeit umpumpen. In knapp jedem vierten Fall dichteten wir eine Leckage (23 Prozent) ab oder übernahmen ein Produkt vom Unfallfahrzeug (22 Prozent) auf einen anderen Transporter. Der Rest der Einsätze betraf die Entsorgung von Unfall-Ladung. Zu 71 Prozent ging es bei den TUIS-Einsätzen der Stufe 3 um flüssige Produkte, gefolgt von 22 Prozent festen und 7 Prozent gasförmigen Chemikalien. 56 Prozent dieser Stufe-3-Einsätze fanden in Lagern statt, 31 Prozent auf der Straße und 12 Prozent auf der Schiene.

Die meisten Einsätze (44 Prozent) wurden durch Unfälle verursacht. Zu 41 Prozent führte fehlerhafte Ladungssicherung zum TUIS-Einsatz. Materialschäden sind mit 15 Prozent als Einsatz-Anlass eher die Ausnahme.

 

Dass die Zahl der TUIS-Einsätze leicht rückläufig ist, führen wir auf die Wirtschaftskrise zurück. Es wurden im vergangenen Jahr weniger Chemikalien auf Straßen, Schiene und auf den Binnenwasserstraßen transportiert als in den Jahren vorher. Wir stellen allerdings schon in den ersten Monaten des Jahres 2010 fest, dass unsere Einsatzzahlen wieder steigen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

für die Zukunft gibt es für uns, also die Feuerwehren, die in TUIS zusammenarbeiten, vor allem zwei Themenfelder, mit denen wir uns intensiv beschäftigen müssen. Wir müssen die Ausbildung unter die Lupe nehmen, wollen neue technische Entwicklungen für unsere Arbeit nutzen.

Die Anziehungskraft der Feuerwehren ist ungebrochen hoch, und doch werden auch wir die demographische Entwicklung zu spüren bekommen. Hohe Fluktuation und ein steigender Anteil junger Feuerwehrleute bei öffentlichen Feuerwehren stellen auch für TUIS eine große Herausforderung in der Ausbildung der Feuerwehrleute dar. Gegenwärtig gibt es für die Berufsfeuerwehr verschiedene Ansätze, die Feuerwehrleute richtig auszubilden. Bei den Chemie-Werkfeuerwehren ist eine gründliche handwerkliche Ausbildung auch im Umgang mit Chemikalien eine wichtige Voraussetzung. Wir können aber nicht erwarten, dass unsere Kollegen bei der Berufsfeuerwehr ebenfalls fundierte Chemiekenntnisse mitbringen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die angehenden Einsatzleiter in der Ausbildung lernen, wann sie TUIS zu Hilfe rufen sollen. Diese Entscheidung muss der Einsatzleiter häufig in den ersten 15 bis 20 Minuten nach Eintritt des Gefahrgutunfalls treffen.

Um das trainieren zu können, stellt TUIS künftig ein Virtuelles Trainingsprogramm“ für Feuerwehren zur Verfügung. Es handelt sich dabei um eine Internet-Anwendung, mit der die Ausbilder von Feuerwehren ihre angehenden Einsatzleiter schulen können. Sie lernen, eine typische Gefahrgut-Unfallsituation zu beurteilen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir haben dazu die Unterstützung eines Spezialsoftwarehauses genutzt und fünf Szenarien entwickelt. In dieser virtuellen Welt gibt es vier Gefahrgutunfälle auf der Straße und einen auf der Schiene, die ganz unterschiedliche, aber typische Situationen zeigen. Sie können sich hier am Stand selbst ein Bild von diesem Programm machen, denn eins der fünf Szenarien präsentieren wir dort drüben für Sie.

Eine weitere Herausforderung ist die technische Entwicklung. Wir haben hierzu ein gutes Beispiel für die Erweiterung von TUIS: Bei Tanklagerbränden arbeitet TUIS mit den Werkfeuerwehren des Mineralölwirtschaftsverbandes zusammen. Unsere TUIS-Datenbank führt mittlerweile neben den Chemie-Werkfeuerwehren auch zwölf Notrufzentralen für Großbrandunterstützung. Im Vordergrund steht die gemeinsame Nutzung vorhandener Geräte, die bei Raffinerie- und Chemie-Werkfeuerwehren zur Verfügung stehen. Eines dieser Geräte sehen Sie hier links auf dem Stand. Es handelt sich dabei um einen Wasserwerfer, der speziell bei Tanklagerbränden einsetzbar ist. Dieser Wasserwerfer kann pro Minute 22.500 Liter Wasser oder Schaummittel einsetzen und hat eine Reichweite von über 120 Metern.

Auch die übrigen Exponate, die Sie hier auf dem Stand sehen, sind Beispiele dafür, wie wir mit Spezialequipment helfen können, das sonst nicht bei Feuerwehren vorhanden ist. Hier drüben steht ein Umfüllsystem Flüssiggas/Chlor“ in einem Abrollcontainer. Eine entsprechende Pumpe, 200 Meter Edelstahlwellschlauch und Spezialanschlüsse helfen im Notfall, Chemikalien vom havarierten Tankbehälter in den Bergungsbehälter umzupumpen.

Des Weiteren sehen Sie ein Hochdruckschneidegerät, das dann eingesetzt wird, wenn an verunglückten Fahrzeugen oder Behältern gearbeitet werden muss – zum Beispiel bei unter Überdruck stehenden Behältern, die sicherer druckentlastet werden müssen.

Und noch etwas Neues: Für die öffentliche Gefahrenabwehr geht es darum, möglichst schnell die nächstgelegene Chemie-Werkfeuerwehr aus dem TUIS-Netzwerk zu ermitteln. Seit zehn Jahren gibt es im Internet eine Datenbank, von der Informationen entweder stationär für die Wache oder mobil für das Einsatzfahrzeug heruntergeladen werden können. Nun gehen wir einen Schritt weiter:

Ab sofort bieten wir die TUIS-Datenbank für mobile Endgeräte an und präsentieren auf dem Stand als erste Anwendung das TUIS-App – die TUIS-Datenbank für das iPhone oder iPad. Die Funktionen dieser mobilen Endgeräte, beispielsweise die exakte automatische Ermittlung des eigenen Standortes, sind für TUIS besonders gut geeignet. Das TUIS-App ermittelt damit automatisch die nächstgelegene Feuerwehr aus dem TUIS-Netzwerk. Diese kann man dann per Knopfdruck anrufen.

Ist die internationale Stoff-Nummer der Vereinten Nationen bekannt, so kann auch diese eingegeben werden und die nächste Werkfeuerwehr, die für den verunglückten Stoff kompetent ist, wird angezeigt. Sie können sich auch auf unserem Stand ein Bild von dieser TUIS-App machen oder bei Ihrem nächsten Besuch im Internet für Ihr iPhone diese Applikation herunterladen. Sie ist, wie alle TUIS-Hilfeleistungen, für die öffentlichen Gefahrenabwehrkräfte bestimmt. Diese neue Applikation ist ein weiterer Beitrag der Unternehmen der chemischen Industrie, mit dem sie ihre Verantwortung für die Sicherheit von Transporten chemischer Produkte wahrnehmen. Denn TUIS ist und bleibt ein ganz wichtiges Beispiel für das verantwortliche Handeln unserer Branche, das wir weltweit Responsible Care nennen.

 

 

Kontakt: VCI-Pressestelle

Telefon: 069 2556-1496

E-Mail:

 

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